Mehr Artikel von
Roni Ben Efrat
Warum Israel den Iran nicht angreifen kann
29.07.08
Auf dem Niveau von Bettlern
01.01.07
Keywords
Der erste postzionistische Krieg
von
Roni Ben Efrat

rei Wochen nach dem Waffenstillstand wirkt die politische Lage in Israel, als stehe das Land vor einem Zusammenbruch. Premierminister Ehud Olmert, Verteidigungsminister Amir Peretz und der Generalstabschef der Armee Dan Halutz sind in der öffentlichen Meinung abgesackt. Immerhin 63 % der Bevölkerung finden, Olmert solle zurücktreten; 74 % wollen Peretz’ Kopf, 54 % den von Halutz.
Die Israelis leben heute mit einem Gefühl des Scheiterns. Sie suchen nach der Ursache des „Lapsus“ (mekhdal) – ein Begriff, der häufig benutzt wird, um den Yom Kippur Krieg, das Desaster vom Oktober 1973, zu beschreiben. Unter den Reservisten ist eine Protestbewegung entstanden – gespalten zwischen denen, die eine staatliche Untersuchungskommission wollen, und jenen, die den Rücktritt des „Trios“ Olmert, Peretz und Halutz fordern. Eine politische Bewegung ist das zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Leicht kann sie den Rechten in die Hände fallen oder ganz verschwinden.
In diesem ganzen Durcheinander ist es angebracht zu schauen, wo der eigentliche Fehler gelegen hat.
Hier und im Ausland haben einige Kommentatoren behauptet, der Krieg sei geplant gewesen. Vielleicht meinen sie damit, Israel habe für einen Krieg mit der Hiz’bollah einen Notfallplan bereitliegen gehabt. Das ist wahrscheinlich. Aber der Krieg hat als Antwort auf eine Provokation und ist nicht in einer Art und Weise verlaufen, als sei er durchkalkuliert gewesen. Israel argumentierte, Hassan Nasrallah, Führer der Hizb’ollah, habe die Spielregeln verletzt, und es wollte seinen Fehler dazu benutzen, neue einzuführen. Falls, wie in Resolution 1701 des Sicherheitsrats vorgesehen, wirklich die libanesische Armee und internationale Streitkräfte die Kontrolle über den Südlibanon übernehmen, kann Israel sagen, es habe dieses Ziel erreicht.
Nasrallah selbst betrachtet sich als neuen Saladin. Gegenüber den arabischen Staaten hat er sich oft damit gebrüstet, sie würden Israel nicht verstehen – ihre Angst sei unnötig, denn das Israel von heute sei nicht das Israel von vor vierzig Jahren. Wie er in einem langen Interview mit dem libanesischen Fernsehen am 27. August 2006 gesagt hat, haben weder er noch seine Berater jemals geglaubt, dass die Aktion vom 12. Juli 2006 zum Krieg führen würde. Doch als der Krieg begann, hielt er sich wieder nicht an die Regeln und ließ 4.000 Raketen abfeuern.
Nasrallah hat militärische Entscheidungen getroffen, als wäre er ein Staat, doch das ist er nicht. Er hatte im Libanon Waffen gelagert und das Land in einen Krieg verwickelt, ohne dazu vom libanesischen Volk autorisiert zu sein oder irgendjemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. (Ihn fordert niemand auf zurückzutreten.) Er hat sich der Rechte eines Staates bedient, ist dessen Verpflichtungen jedoch ausgewichen. Als Untergrundkämpfer haben er und seine Kollegen sich vor Israel versteckt. Staatsoberhäupter wie Bashar Assad oder Fuad Siniora genießen jedoch nicht den Luxus, sich verstecken zu können; sie müssen sich vor der Welt für die Handlungen ihrer Länder verantworten. Indem er sich des Libanon bemächtigte, hat es Nasrallah geschafft, den Zorn sowohl der arabischen Führer als auch des Westens zu erregen.
Auch ihre Lieferanten hat die Hizb’ollah in Gefahr gebracht. Jede abgefeuerte Rakete, insbesondere jene, die weit nach Israel hineingetroffen haben, haben einen Schatten auf den Iran und Syrien geworfen. Welches verantwortungsbewusste Land gibt einer Organisation, die keine Nation und niemandem gegenüber verantwortlich ist, hochwertige Waffen? Das gilt besonders für den Iran. Die USA bemühen sich, seinen nuklearen Ambitionen mittels UN-Sanktionen Einhalt zu gebieten, und dann wird der Iran dabei erwischt, dass er die Hizb’ollah mit Waffen versorgt! Jetzt können die Amerikaner den Sicherheitsrat fragen: Wie kann man einer Nation, die Freischärler mit Waffen ausrüstet, erlauben, die Bombe zu bauen? Danny Rubinstein hat in der Ha’aretz vom 31. August 2006 aufgezeigt, dass der Iran auch den riesigen unterirdischen Bunkerkomplex der Hizb’ollah im Südlibanon finanziert hat. All diese Investitionen haben nicht stattgefunden, um sich zweier Soldaten zu bemächtigen. Er vermutet, sie seien Teil eines Gesamtplans gewesen, um, für den Fall, dass die USA den Iran angreifen, Israel gegenüber Vergeltung zu üben. Indem er diese Ressourcen vorzeitig eingesetzt hat, habe Nasrallah die iranische Strategie entlarvt und gefährdet.
Nasrallah ist es gelungen, die erste israelisch-amerikanisch-arabisch-europäische Front zu begründen. Ebenfalls „erstmalig“ ist die Art und Weise, in der Israel Europa eingeladen hat, sich an der Umsetzung der Waffenstillstandsvereinbarung zu beteiligen. Bis jetzt hatte es sich auf bilaterale Beziehungen mit den USA beschränkt. Sollten noch einer gebraucht werden, so wäre dieser Wandel ein weiterer Beweis für die Verringerung des amerikanischen Einflusses.
Falls es eine staatliche Untersuchungskommission geben wird, so wird diese bald feststellen, dass das wesentliche Problem nicht militärischer Natur war. Die Armee hatte nie vor, die Hizb’ollah auf dem Schlachtfeld zu besiegen. In Yediot Aharonot vom 25. August 2006 haben die Experten Nahum Barnea und Shimon Schiffer eine Verteidigungsrede ersonnen, wie sie Generalstabschef Halutz ganz vernünftig der Kommission vortragen könnte. Im Geiste Clausewitz’ („Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“) erklärt ihr Halutz, die Armee sei nur ein Mittel gewesen, um die internationale Gemeinschaft dazu zu bewegen, im Libanon eine neue Ordnung zu etablieren. Bei ihnen sagt er z.B.: „Ich hatte mir überlegt, dass wir die libanesische Infrastruktur bombardieren müssten. Gingen zwei große Kraftwerke in Rauch auf, so würden die Franzosen nach Beirut hasten. Die internationale Gemeinschaft würde schnell handeln.“
Barnea und Schiffer präsentieren ihren Halutz als einen, der cool, gelassen und sorgfältig seine Zie le definiert: „Ich war dagegen, die Rückkehr der entführten Soldaten als unser Ziel zu definieren. Man darf sich kein Ziel setzen, das man nicht erreichen kann. Stattdessen haben wir es als unser Ziel definiert, die Bedingungen zu schaffen für die Rückkehr der Soldaten. Wir haben davon gesprochen, die Hizb’ollah zu schwächen, nicht sie zu eliminieren, sie aufzulösen, sie zu zertreten. Diese Worte haben die Minister der Regierung benutzt, nicht die Armee.“
Halutz – jetzt der echte – dachte, die Luftwaffe sei stark genug, um diese vagen und begrenzten Ziele zu erreichen. Eine Absicht, den Libanon zu erobern, bestand nicht. Der späte Einsatz von Bodenkräften, unter denen die meisten Verluste auftraten, war in erster Linie als Katalysator gedacht, um die internationale Gemeinschaft dazu anzuspornen, das zu tun, was sie dann in der Tat getan hat.
Wenn all dies stimmt, dann gab es auch keinen „großen Fehlschlag“. Warum ist das Land dann in so gedämpfter Stimmung?
Weil es eben doch einen großen Fehlschlag gegeben hat. Israels große Schwäche ist offenbar geworden. Dies kann sich ein Land, so denkt es, das unter seinen Nachbarn jahrzehntelang so großen Hass erregt hat, kaum leisten. Es braucht „Abschreckungsmacht“. Aber Abschreckung erfordert mehr als offensichtliche Zerstörungskraft; sie erfordert auch die offenbare Bereitschaft, diese einzusetzen: Israel hat gezeigt, dass es bereit ist, einen Teil seiner Zerstörungskraft einzusetzen: es hat wie verrückt bombardiert. Doch die Wochen vergingen und die Raketen fielen weiter auf Galiläa; eine Auswirkung auf das Vermögen der Hizb’ollah, das israelische Leben zu stören, war nicht erkenntlich. Es war ganz klar, dass die Kampfkraft der Luftwaffe nicht genügen würde.
Je länger Israel sich am Luftkrieg festhielt, desto offensichtlicher wurde seine Schwäche. Helikopter und Jets konnten töten und zugleich in sicherer Entfernung bleiben, doch Bodenkräfte sind etwas anderes. Mit ihnen wurde die Achillesferse der israelischen Armee entblößt: ihre Angst vor Verlusten auf dem Schlachtfeld. Sie war nicht bereit, Bodenkräfte, diesen vitalen Bestandteil ihrer Zerstörungskraft, einzusetzen. Und als sie schließlich mit deren Einsatz protzte, ein Manöver, das schlecht geplant war und noch schlechter ausgeführt wurde, erwies sich der Herrscher als in der Tat spärlich bekleidet.
Kein Wunder, dass die Stimmung der Israelis gedämpft ist. Mit ihrem Zögern, Leben zu riskieren, haben sie sich als unfähig erwiesen, eine kleine Freischärlergruppe, die die Tugend des Märtyrertums verbreitet, aufzuhalten. In dieser gefährlichen Nachbarschaft macht sich das nicht gut.
Das Zögern, das Leben aufs Spiel zu setzen, stammt aus dem unumkehrbaren Zusammenbruch des israelisch-jüdischen Kollektivs. Diesen wird die Kommission nicht untersuchen. Wir wenden uns dem jetzt zu.
Die israelische Gesellschaft hat, was Grundwerte angeht, eine große Veränderung durchgemacht. Sie hat sich vom Zionismus zum sogenannten Postzionismus hin entwickelt. Früher hatte der Aufbau des jüdischen Staates erste Priorität. Dies bedeutete, zuerst kam das jüdische Gemeinwesen. Das ist nicht mehr so. Heute steht die individuelle Selbstverwirklichung an erster Stelle.
Den Zusammenbruch des (jüdischen) Kollektivs kann man zum Teil auf den vergifteten Sieg von 1967 zurückführen; dieser hat die Gesellschaft letztlich polarisiert. Aber ich möchte auch auf den Plan zur wirtschaftlichen Stabilisierung von 1958 verweisen. Zuvor war Israel, zumindest für Juden, ein mehr oder weniger egalitärer Staat gewesen. Das obere Fünftel der Bevölkerung verdiente in den 1950ern dreimal soviel wie das untere. Heute, als Ergebnis der in diesem Plan enthaltenen Maßnahmen, verdient das oberste Fünftel heute 21mal so viel und dies macht Israel damit zum grausamsten Land der Welt – zum grausamsten gegenüber seinen eigenen Bürger, von den anderen ganz zu schweigen. Wenn die Kluft so tief ist, kann man keine Solidarität erwarten.
In der gesamten Wirtschaft sind staatliche Unternehmen an private Investoren verkauft worden (oft weit unter ihrem Wert). Organisierte Arbeit ist durch Einzelverträge, Personalfirmen und Arbeitsmigranten über Bord gegangen. Tarifschutz wurde abgebaut oder ganz abgeschafft. Arbeitsintensive Industrien sind in die Dritte Welt verlagert und zugleich High-Tech ins Land geholt worden. Kurz gesagt, Israel wurde an die Weltwirtschaft angebunden. (Mehr zu diesem Thema in Challenge 98, The Breaking of Organized Labor in Israel).
Exemplarisch zeigt sich der Wandel an der Institution des Kibbuz. Genau genommen sind fast keine Kibbuzim mehr übrig. Die meisten sind privatisiert worden. In den verschiedenen, aus dem ursprünglichen Kibbuz ausgegliederten Betrieben verdienen die Leute unterschiedlich viel. Rina Barkai, eine Hochschullehrerin aus einem Kibbuz, sieht unter den Kibbuzniks keine sinkende Bereitschaft zur Armee zu gehen, allerdings jedoch eine abnehmende Bereitschaft, Befehlsfunktionen zu übernehmen und der Berufsarmee beizutreten. „Der Grund liegt in dem Gefühl, dass die Selbstverwirklichung eines Menschen nicht innerhalb des Armeediensts stattfinden muss.“ (Ya’ir Sheleg, The Bereavement Map has Changed“, Ha’aretz, 27.08.2006).
Der Richtungswechsel wurde nicht öffentlich ausgesprochen. 1985 ist kein Führer aufgestanden und hat verkündet: „Freunde, bislang haben uns die Prinzipien der Heiligkeit der Armee und der sozialen Solidarität geleitet. Ihr wart zunächst Soldat und dann Bürger. Ab heute seid Ihr erst Bürger und dann Soldat.“ Gleichwohl stand dieser Wandel hinter der Tatsache, dass Israel seine Abschreckungsmacht auf dem Schlachtfeld verloren hat.
Dies ist auch der Grund, warum die Entscheidung, die Reservisten einzuberufen, so lange auf sich warten ließ. Wenn sich viele Reservisten, Offiziere und einfache Soldaten auf Basis von 15.000 NIS monatlich (ca.3.500 US-$) oder mehr selbst verwirklichen, kann es sich der Staat nicht leisten, sie für die Zeit, die sie bei der Armee verbringen, zu entschädigen. Darüber hinaus ist die Motivation, ihre lukrative Arbeit für das Schlachtfeld aufzugeben, minimal. Wenn sich ein israelischer Jugendlicher heute bei einem kommerziellen Unternehmen bewirbt und er im Bewerbungsgespräch gefragt wird, ob er Reservist ist; befindet er sich in derselben peinlichen Lage, wie eine Mutter, die gefragt wird, ob sie Kinder hat: eine zustimmende Antwort kann ihn den Job kosten.
Es wird auch viel über den Mangel an Tel Avivern unter den Truppen im Libanon gesprochen. Tel Aviv ist als die „Blase“ bekannt, anscheinend außerhalb der „harten Realitäten“, denen das übrige Israel ausgesetzt ist. Dr. Yagil Levy zufolge, einem Experten für die „Landkarte“ der Verluste des Landes, ist Tel Aviv nur das Symbol des Prozesses, in dem sich die politische Mitte der israelischen Gesellschaft befindet. Während des ersten Libanonfeldzugs, 1982, waren die Hälfte der Todesopfer säkulare Ashkenazim (Juden europäischer Herkunft). Im jetzigen Krieg ist ihr Anteil auf ein Viertel geschrumpft und der der Mizrahim (Juden nahöstlicher und afrikanischer Abstammung), der sowjetischen und der äthiopischen Immigranten gestiegen (Sheleg, op.cit.).
Die Leute haben anderes zu tun als einen Staat zu schaffen. Wenn sie nach fünfzig Jahren immer noch ihr Leben dafür einsetzen müssen und kein Ende in Sicht ist, mögen sie sich – gemeinsam mit Meron Benvenisti in dieser Ausgabe – zu fragen beginnen, ob es die Sache wert ist.
Krieg enthüllt den Charakter einer Gesellschaft und diese Gesellschaft wurde nun in ihrer ganzen Blöße sichtbar. Da war das Scheitern der Regierung, ihre Bürger im Norden zu schützen (keine kleine Reminiszenz an das Versagen der US-Regierung beim Hurrikan Katrina). Sollten wir überrascht sein? Wenn Israel seine Armen in Friedenszeiten im Stich lässt, wird es dann im Krieg nicht dasselbe tun? Die besser verdienenden Bewohner des Nordens sind geflohen. Die Armen haben die Raketen in schlecht ausgestatteten Schutzräumen erwartet, sofern sie welche hatten. Die meisten „Rettungskräfte“ haben Philanthropen geschickt, teilweise haben sie die Evakuierung in Hotels und auf Zeltplätze in sichereren Regionen finanziert. Jede Illusion, der Staat würde sich um die Schwachen kümmern, ist im Rauch der Katyushas aufgegangen.
Den Kern des Lapsus können wir bei in jener Situation ausmachen, in der Peretz Olmert kurz nach den Wahlen im März um das Finanzministerium gebeten hat. Olmert antwortete: „Ich gebe Dir die Verteidigung.“ Warum? Weil das Finanzministerium im Israel des Jahres 2006 wichtiger ist. Fast jeder IDF-General oder Shin-Bet-Offizier steht mit einem Kapitalisten in Verbindung, der ihn, wenn er seine Uniform ablegt, als Geschäftsführer einsetzt. Daher war es nicht sehr schockierend zu erfahren, dass Generalstabschef Dan Halutz in den schicksalhaften Stunden zwischen der Entführung der Soldaten und der Entscheidung, Beirut zu bombardieren, Zeit gefunden hat, Kapitalanlagen abzustoßen.
Damit ist der große Lapsus Ausdruck dessen, dass Israel zwischen zwei Welten gefangen ist. Immer noch vom zionistischen Modell geleitet, weigert es sich, den Konflikt mit seinen Nachbarn beizulegen. Doch unter der Führung des Postzionismus weigert es sich, den Wohlfahrtsstaat aufrecht zu erhalten, der auf jene Art jüdischer Solidarität ausgerichtet war, die man braucht, um solche Konflikte zu führen.
Das hiesige Wunschdenken während der letzten Jahre besagte, die Ära der Kriegsführung sei vorüber und wir könnten nun unilateralen Lösungen frönen: der Rückzug aus dem Libanon 2000, der Rückzug aus Gaza 2005 und die „convergence“ oder „Neuordnung“, die 2006 in der Westbank nicht stattgefunden hat und nicht stattfinden wird. Allerdings liegt Unilateralismus auch der falschen Annahme zugrunde, die aktive Seite könne im Überfluss leben, während die passive in Armut versinkt, wirkt der Unilateralismus. Eine echte Untersuchungskommission sollte die Frage stellen, warum der israelische Staat und der Westen im Allgemeinen die arabische Welt zu wirtschaftlicher Rückständigkeit ermutigen. Warum applaudieren sie den Diktatoren Ägyptens und Saudi Arabiens? Und den Mogulen des Libanon, einschließlich Fuad Siniora? Indem sie die soziale Kluft pflegen, bauen diese korrupten Regime ein Treibhaus für Gruppen wie Hizb'ollah. Selbst falls es der libanesischen Armee und den internationalen Streitkräften gelingt, diese unter Kontrolle zu halten, werden die Probleme, von denen sie zehrt, bleiben.
Sollte es als Ergebnis dieses Krieges einen einzigen Lichtblick geben, dann den, dass er Israels Alternativen verringert hat. Unilaterale Lösungen, die auf militärischer Vorherrschaft basieren, sind nicht mehr machbar. Das Land wird sich letztlich für eine Richtung entscheiden müssen. Ein Friedensvertrag mit Syrien und Libanon wird die Wurzel des Konflikts nicht beseitigen. Die Frage aller Fragen, über die Israel immer wieder stolpert, bleibt die nach den Palästinensern. Das ist nicht nur eine Frage von besetztem Gebiet. Es ist eine Frage langfristiger ökonomischer Besatzung und der daraus resultierenden Folgen. Das israelische Pro-Kopf-Einkommen beträgt heute 24.600 US$. In der Westbank sind es 1.000 US$ und in Gaza 600 $.
In Ägypten sind es 3.900 US§ und 4.700 $ in Jordanien. Zwischen diesen Ländern und Israel besteht nominell Frieden, doch ihre Bevölkerungen sind Israel und dem Westen gegenüber zunehmend feindlicher eingestellt. Man kann kaum erwarten, innerhalb des zwischen korrupten Diktatoren und religiösem Fundamentalismus schwankenden Nahen Osten eine stabile Lösung zu finden. Solange die sozialen Klüfte so tief sind, kann kein Frieden halten. Eine Lösung ist davon abhängig, dass das globale System, das diese Klüfte erhält, untergeht und durch eines ersetzt wird, das sie überwinden kann. 
RSS Feed


