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von
Hanan Manadreh

emeinsam mit Hanitzotz Publishing House, HPH, und dem Workers Advice Center, WAC, hat Sindyanna of Galilee in Nazareth einen Kurs im Korbflechten ins Leben gerufen. Zehn Frauen haben daran teilgenommen, meist Hausfrauen.
In den Tagen unserer Vorväter oder besser: Vormütter haben Frauen Körbe hergestellt. Diese waren für das menschliche Leben unentbehrlich, aber mehr noch, sie waren ein unerschöpflicher Quell der Kreativität. Wie viele andere traditionelle Handwerke auch stirbt das Korbflechten jedoch langsam aus.
Noch ist diese Fertigkeit von Europa bis Ostasien bei vielen Völkern anzutreffen. In unserer Region haben vor 1.500 Jahren Mönche in der Wüste während ihrer Gebete Seile und Körbe hergestellt, denn diese Art von Tätigkeit ist der Meditation zuträglich. Seitdem sind die Korbmacher wenige geworden und leben weit voneinander entfernt. Wie jede andere Konsumgesellschaft auch, hat die arabische Gesellschaft in Israel traditionelle Handwerke zu Gunsten billiger, industrieller Massenprodukte aufgegeben. In seinem Buch Künstler, Heiler und Wundermacher in Galiläa (Ariel Press, 1993) erwähnt Michael Ben Dror einige Dutzend Korbmacher in Galiläa, von denen einige noch am Leben sind. Der 103-jährige Musa Khurani von Deir Hanna z.B. macht Körbe aus den Zweigen eines immergrünen Strauchs, dem Gummibaum. Yaasin aus Reina bei Nazareth macht Stühle aus Schilf. Und Umm Aliaas aus Ilabun webt Körbe aus Stroh. Wie viele dieser Frauen haben ihre Kunst an ihre Kinder weitergegeben? Nicht viele vermutlich.
Sindyannas Idee ist es, die kommerzielle Produktion von Körben als Nische für erwerbslose arabische Frauen wiederzubeleben. In den letzten Jahren hat das Korbflechten unter Israelis, „die danach verrückt sind“, begonnen, neue Wurzeln zu schlagen. Die neuen Korbmacher nehmen die Stiele von Palmwedeln, um die traditionell aus Oliven- und Gummibaumzweigen bestehenden, arabischen Korbwaren nachzuahmen. Die Wedel sind besonders stark und haltbar. Sie geben einen einzigartiges, reizvolles, unverfälschtes Aussehen. Daher können sie mit billigeren Produkten aus Regionen, in denen die Lohnkosten gleich Null sind, mithalten.
Gemeinsam mit HPH und WAC hat Sindyanna of Galilee von Mai bis Juni 2005 eine Korbmacherkurs veranstaltet. Er umfasste elf Sitzungen à sechs Stunden. Zehn Frauen haben Teil genommen und alle haben ihn erfolgreich abgeschlossen. Da jede Sitzung viel Zeit in Anspruch nahm, mussten sich die Frauen von ihren Haushalts- und Kinderversorgungspflichten frei machen. Sehr zur Überraschung der Organisatoren haben sie bis zum Ende durchgehalten. Ihre Ernsthaftigkeit war Ausdruck des starken Bedürfnisses, ihren Horizont zu erweitern und sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ihre fertigen Produkte haben sie Sindyanna gegeben, das sie auf einem Basar verkaufen wird, um einen Teil der Kosten des Kurses zu decken.
Hadas Lahav, die Geschäftsführerin von Sindyanna, umriss die Ziele des Kurses: „Die Idee ist, eine Gruppe von Frauen zu schaffen, die in der Lage sind Körbe herzustellen, die den Anforderungen des Markts genügen. Wir verfolgen eine doppelte Absicht: traditionelles Handwerk zu erhalten und den Frauen eine reale und flexible Erwerbsmöglichkeit anzubieten.“
Lahav fügte hinzu, dass Sindyanna die Absicht hat, die Körbe zusammen mit seinem Olivenöl zu vertreiben, das bereits in die ganze Welt exportiert wird. „Unsere Verkaufsstellen arbeiten auf der Basis des Fairen Handels und sie identifizieren sich sehr mit der palästinensischen Frage, besonders mit den palästinensischen Frauen in Israel und den Besetzten Gebieten.“ Lahav äußerte die Hoffnung, dass die Frauen, die den Grundkurs abgeschlossen haben, ihre Fähigkeiten unter Anleitung weiterentwickeln werden. Um diese will sich Sindyanna kümmern. Die Dozentin, Ronit Penn aus Tivon, ist Absolventin des Fachbereichs Kunst am Oranim College. Als Mitglied der Britischen Korbmacher Vereinigung, unterrichtet sie diese Kunst seit sieben Jahren.
Challenge erzählte sie: „Schon als Kind verspürte ich ein Bedürfnis, die traditionelle arabische Gesellschaft zu begreifen und etwas über das Leben ihrer Frauen zu lernen. Meine Kenntnis des Korbflechtens hat mir den Weg eröffnet. Der Grund, dieses Handwerk zu lernen, ist nicht rein kommerziell. Es geht auch um das „Zusammenkommen“, das stattfindet, während man zusammen arbeitet. Die positive Atmosphäre, die uns umgibt, während wir weben, macht Zusammenarbeit möglich, selbst zwischen Leuten, die sonst Streit haben. Korbflechten schafft ein konstruktives Gefühl in einer Gruppe. Der Tätige entwickelt sich sowohl im gesellschaftlichen als auch im individuellen Sinn.
„Jemand der handgearbeitete Dinge erwirbt, ist sich ihres ästhetischen Wertes bewusst und spürt die lebendigen, arbeitenden Hände. Indem er die Körbe kauft und benutzt, nimmt der Erwerber in gewissem Sinne an ihrem Entstehungsprozess Teil.“
Korbflechten, sagt Ronit Penn, kann für eine Übergangsgesellschaft, wie die arabische Gesellschaft in Israel, besonders wichtig sein. „Dem Wechsel von einer traditionellen zu einer modernen Gesellschaft mangelt es oft an einer künstlerischen Verbindung. Vom Dorfleben, durchdrungen von Religion, zu einem weltlichen, intellektuellen Leben, das ist eine drastische und manchmal sehr gefährliche Veränderung. Einige der Betroffenen greifen zu Alkohol, Gewalt oder anderen Extremen, weil ihnen eine solche Veränderung unmöglich oder Furcht einflößend erscheint. Was fehlt, ist eine Kultur desnÜbergangs, eine die innerhalb der Tradition etwas Neues entwickeln kann. In Europa findet man in Kunst und Handwerk eine Kontinuität zwischen Tradition und Modernismus. Kunst durchdringt dort alle Aspekte des Lebens und der Künstler oder Handwerker hat einen höheren Status als hier.“
Das Konzept, das dem Kurs für die Frauen zugrunde lag, erklärt Ronit Penn so: „Korbflechten wird stufenweise gelernt. Zunächst muss man die Grundtechniken beherrschen und benutzt einfaches Material wie Seeschilf. Dann macht man mit robusterem Material, wie Ästen, weiter und lernt unterschiedliche Stile und Techniken. Es gibt viele Arten des Korbflechtens und jede kann ihre eigene finden. Man kann ein paar einzelne Stile lernen und darin Spezialistin werden oder ganz breit arbeiten. Jede kann in diese Beruf ihren Platz finden.
„Korbmachen hat noch einen großen Vorteil“, fügt Penn hinzu. „Man kann es auch zu Hause tun, was zu der Lebensweise von Frauen in der arabischen Gesellschaft passt. Natürlich führte diese Arbeit nicht zur Revolution. Sie führt die Frau nicht notwendigerweise aus dem Haus. Aber sie kann sie mit einem gewissen Maß an finanzieller Stabilität versorgen und auf diese Art Schritt für Schritt dazu beitragen, dass die Veränderung eintritt, die die Frauen sich wünschen.“
Samya Salah aus Nazareth, die 23-jährige Mutter von drei Kindern, hat den Kurs abgeschlossen und hofft, in dem neuen Bereich weitermachen zu können. „Ich habe in der Vergangenheit einige Handarbeitskurse gemacht“, sagt sie, „aber der hier war etwas Anderes. Ich meine die positive Atmosphäre, die aus der Arbeit in einer Gruppe wunderbarer Frauen und unter der einfühlsamen Anleitung von Ronit entsteht. Der Prozess, das Korbflechten zu lernen, hat mich mit altem, traditionellem Wissen verbunden und mir gleichzeitig einen Beruf verschafft. Ich habe Fähigkeiten an mir entdeckt, von denen ich nicht wusste, dass ich sie habe. Das stärkt mein Selbstvertrauen und vergrößert meine Freude an dieser Kunst. Selbst wenn es mir nicht gelingt davon zu leben, werde ich meine Freunde und Nachbarn und auch meine Kinder ermutigen es zu lernen, und sei es nur, um die positiven Seiten unserer Geschichte zu bewahren.“
Suhad Manadreh aus Nazareth, 31 Jahre alt und Mutter von vier Kindern, hat den Kurs ebenfalls absolviert und hört nicht auf ihn zu preisen: „Ich hoffe, ich werde in diesem traditionellen Bereich arbeiten und mich weiter entwickeln können. Ich hatte in dem Kurs viel Spaß und habe Neues gelernt, was meinem Leben einen neuen Inhalt geben kann. Die Körbe, die wir gemacht haben, sind meiner Meinung nach im wahrsten Sinne des Wortes künstlerische Schöpfungen. Bei jedem Treffen habe ich gespürt, dass ich fähig bin, mit meinen Händen schöne, wertvolle Dinge zu schaffen.“
Mehr Informationen über Sindyanna of Galilee und das Korbmacher-Projekt unter
www.sindyanna.com, Kontakt über: 
www.challenge-mag.com/de/artikel__22/körbe_flechten_zwischen_zwei_welten
21.05.2012, 17:05