01.11.03

wirtschaft & gesellschaft

Ungebremster Kapitalismus

Netanyahu enthüllt seine Pläne

von Assaf Adiv

A

m 08. September 2003 hat Israelis Finanzminister Benjamin Netanyahu seinen Haushaltsvorschlag für das Jahr 2004 vorgestellt, der angeblich die Wirtschaft neu beleben soll. Die Überschriften entstammen direkt dem amerikanischen Konservatismus. Sie beinhalten die Privatisierung öffentlicher Betriebe, die Aufhebung staatlicher Monopole und den Übergang von Sozialhilfe zu Beschäftigung. Seinem Rezept zufolge wird ein tiefer Einschnitt in den Regierungshaushalt zusammen mit Steuererleichterungen für das Kapital neue Investitionen fördern. Dies wird die Wirtschaft voranbringen, die Nachfrage steigern und neue Jobs schaffen. Netanyahu behauptet, die Kürzungen im Haushalt 2003 hätten bereits Früchte getragen. Der Haushalt für das Jahr 2004 werde den positiven Trend verstärken.

Der vorgeschlagene Haushalt erfaßt die Probleme einer stagnierenden Wirtschaft jedoch nicht. Die Arbeitslosigkeit steigt weiter. Das Pro-Kopf-Einkommen sinkt im dritten Jahr in Folge. MIT-Wirtschaftsprofessoer Lester Thurow, der Israel kürzlich besucht hat, hat gewarnt, die Wirtschaft stünde am Rand des Zusammenbruchs. „Auch die Sowjetunion“, sagte er, „ hatte neben einer schrecklichen Finanzlage auch ein mächtiges, ausgezeichnetes Militär. Heute existiert sie nicht mehr.“ (Globes, 24.09.2003)
Der Haushalt verstärkt die Rezession.

Netanyahus Wirtschaftsplan beruht auf Annahmen, die eine Verschlimmerung der Rezession ankündigen: