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von
Michal Schwartz
150 Arbeiterinnen und erwerbslose Frauen, alle Mitglieder des Workers Advice Center, WAC, zogen am 08. März durch die Straßen der Tel Aviver Innenstadt und forderten die Regierung auf, die Anwerbung von Arbeitsmigranten zu stoppen, die unter extremsten Ausbeutungs-bedingungen in der Landwirtschaft arbeiten.

eendet unsere Erwerbslosigkeit”, riefen sie. Die Tatsache, dass sich Hunderte von Frauen auf der Suche nach einer Erwerbstätigkeit an das WAC wenden, widerlegt die Behauptung der Regierung, arabische Frauen wollten aufgrund der konservativen Werte der arabischen Gesellschaft gar keiner Tätigkeit außerhalb des Hauses nachgehen.
Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten in der Landwirtschaft sind Arbeitsmigranten, eine Zahl, die die in anderen westlichen Ländern weit übersteigt, dort sind es maximal 10 %. Arbeiter, die im WAC organisiert sind, fordern mindestens den Mindestlohn von 20,73 NIS (3,69 €) pro Stunde, sowie Fahrtkosten und bezahlten Überstunden. Der unfaire Wettbewerb, dem sich die Frauen gegenüber sehen, liegt in der Tatsache, dass Arbeiter aus Thailand nur 13 NIS pro Stunde (2,31 €) bekommen. Und auch nicht gewerkschaftlich organisierte arabische Frauen, die bei einem Subunternehmer arbeiten, erhalten weniger als den Mindestlohn.
Von den arabischen Frauen in Israel sind mehr als 80 % erwerbslos, dies trägt zu der in der arabischen Bevölkerung um sich greifenden Armut bei. Angesichts der weltweiten Finanzkrise, die die Ernährer der arabischen Bevölkerung ihrer Arbeitsplätze beraubt, müssen auch Frauen zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen. Doch die meisten von ihnen sind ungelernt und es gelingt ihnen nicht, angemessene Erwerbsmöglichkeiten zu finden. Der von der scheidenden Olmert-Regierung aufgestellte Notfallplan sieht keinerlei Veränderung hinsichtlich der Politik gegenüber Arbeitsmigranten vor. Stattdessen muss man den Eindruck gewinnen, dass die Lobby der Farmer jegliche finanzielle Logik auf den Kopf stellt.
Die Demonstration erregte Aufmerksamkeit, denn üblicherweise sehen die Tel Aviver Bürger keine arabischen Frauen durch die Straßen ihrer Stadt ziehen und arabische und hebräische Parolen rufen. Genau deshalb war dieser Ort auch gewählt worden, es sollte die Aufmerksamkeit jener geweckt werden, denen gar nicht bewusst ist oder die es nicht interessiert, welch ausbeuterischen Beschäftigungsbedingungen Israelis, auch als Ergebnis der Finanzkrise und der daraus resultierenden Massenentlassungen, ausgesetzt sind.
Das Ereignis fand große Aufmerksamkeit in den Medien, bei staatlichen und privaten Fernsehsendern, Zeitungen und Internetseiten.
Unter den Protestierenden war Rada Wahida (36) aus Baqa el Gharbiya, erwerbslose Muter von vier Kindern: „Wir haben uns heute hier versammelt unter dem Motto „Gegen Armut und Erwerbslosigkeit“; wir fordern das Recht, unseren Kindern ein angemessenes Auskommen verschaffen zu können. Es gibt keine Arbeitsplätze und das Geld reicht hinten und vorne nicht, Arbeiter aus Thailand nehmen uns die Existenzgrundlage. Wir fordern die Regierung auf, etwas zu unternehmen und den Zustrom der Arbeitsmigranten zu stoppen. Ebenso protestieren wir gegen die ausbeuterischen Bedingungen ihrer Beschäftigung für 13 NIS Stundenlohn; unter diesen Bedingungen ist es kein Wunder, dass Thailänder den arabischen Frauen vorgezogen werden, die für ihre Arbeit zumindest den Mindestlohn verlangen.
Die Regierung hat in der Vergangenheit behauptet, arabische Frauen würden aufgrund der arabischen Mentalität und Tradition gar nicht arbeiten wollen. Heute, in Folge der globalen Krise, trifft dies nicht mehr zu. Arabische Frauen wollen ihren Lebensunterhalt verdienen, es ist vielmehr die Regierung, die sie daran hindert. Ich möchte in Vollzeit arbeiten, das ist alles, was ich will. Wir wollen Arbeit, aber es gibt keine."
Nidal Hadur, ein 29-jähriger Arbeiter aus Um el Fahem, unterstützte Whidas Forderung: "Frauen sind nicht weniger wichtig als Männer. Ohne die arabischen Frauen wäre die gesamte arabische Gesellschaft zugrunde gegangen. In den vergangenen Jahren waren wir Zeugen einer Revolution: noch vor einem Jahrzehnt war es ungebräuchlich, dass Frauen zu einer Demonstration gehen, und schaut, wie viele Demonstrantinnen jetzt hier sind. Mehr und mehr Männer kommen zu der unvermeidlichen Einsicht, dass Frauen nicht zu Hause eingesperrt werden können. Warum sollen sie keine Fortschritte machen dürfen? Die ganze arabische Gesellschaft in Israel macht dank solcher Demonstrationen Fortschritte.“
Die Demonstration schloss mit einer Kundgebung in einem Park nahe der belebten King George Straße. Michal Schwartz, Koordinatorin des Frauenforums von WAC, eröffnete die Moderation: „Wir sind hier, um gegen die absichtlich verursachte Erwerbslosigkeit von Frauen, insbesondere arabischer Frauen zu protestieren Sie sind die Hauptopfer der Erwerbslosigkeit in der israelischen Gesellschaft. Schauen wir uns die Arbeitskämpfe der letzten Zeit gegen Unternehmensschließungen an, so ist kristallklar, dass die meisten der Arbeiter, die selbst noch nach Jahren nur mit dem Mindestlohn abgespeist werden, Frauen aus den Randgebieten des Landes sind, orientalische Frauen ebenso wie Immigrantinnen."
Schwartz forderte andere Organisationen auf, sich dem Kampf gegen Erwerbslosigkeit und für das Recht auf Arbeit anzuschließen und in den Betrieben Arbeiterausschüsse zu gründen.
Waffa Tiara, ehemals ausgebeutete Landarbeiterin und heute Organizerin des WAC, ist ein Beispiel für die ungenutzten Möglichkeiten vieler Frauen:
“Wir sind heute hier, um allen jüdischen und arabischen Frauen, und ebenso allen anderen Arbeitern, die Hand zu reichen im Kampf gegen Armut und Erwerbslosigkeit. Das sind keine in Stein gemeißelten Tatsachen, sondern vielmehr eine Politik, der zig Tausende von Frauen zum Opfer gefallen sind: Arbeiterinnen in der Landwirtschaft und in Manpower-Unternehmen, Zeitarbeiter und Reinigungsfrauen, selbst Lehrerinnen und Krankenschwestern. Wir müssen uns zusammenschließen, gleich welcher Rasse, Religion und Ethnizität, um Unterdrückung, Diskriminierung und Erwerbslosigkeit die Stirn zu bieten.“
Asma Aghbaria-Zahalka, die ODAs Arbeiterpartei bei den landesweiten Wahlen im Februar anführte, stellte einen Ansatz vor, wie er sonst in der israelischen Gesellschaft selten zu hören ist:
“Angesichts der Finanzkrise sind Sicherheit und Verteidigung nicht mehr alles. Die israelische Öffentlichkeit entdeckt langsam, dass der Staat Israel zu seinem eigenen Schaden ein Staat der Reichen geworden ist. Der Grundsatz, dass Kapitalismus Fortschritt und Wohlstand für alle bringt, zerbröselt. Wir betrachten die gegenwärtige Situation als eine Gelegenheit und eine Herausforderung etwas zu verändern und der kapitalistischen Regierung, der Besatzung, dem Rassismus, aber auch dem extremistischen Nationalismus in der arabischen Gesellschaft eine sozialistische Alternative entgegen zu setzen. Diese macht es möglich, Brücken zu bauen zwischen Juden und Arabern auf dem Fundament gemeinsamer sozialer und wirtschaftlicher Interessen.“
Jaida Zoaby, eine erfahrene Gruppenleiterin, die Empowerment-Trainings für Arbeiterinnen des WAC gibt, hob die Bedeutung von Erwerbstätigkeit für die persönliche Entwicklung von Frauen hervor: „Das WAC hilft arabischen Frauen nicht nur, einen Arbeitsplatz zu finden, sondern bietet ihnen auch Empowerment-Kurse an, die Selbstvertrauen und eine neue Stellung innerhalb der Familie fördern. Im WAC genießen die Frauen als arbeitende und produktive Frauen Respekt und Wertschätzung. Sie werden in ihrem Ringen um Unabhängigkeit unterstützt”.
Die letzte Rednerin war Amira Alam, Teamführerin der Arbeiterinnen von Kufr Manda, sie erzählte ihre persönliche Geschichte: „Ich habe in der Vergangenheit einen anständigen Job mit allen Sozialleistungen gesucht, doch so einen konnte ich leider nicht finden. Ich arbeitete als Sekretärin in einem Anwaltsbüro, unter Ausbeutungsbedingungen und ohne jegliche Sozialleistungen. Folgerichtig hörte ich auf zu arbeiten. Dann begann ich mit einem Empowerment-Kurs im WAC-Center in unserem Ort und nahm eine Tätigkeit als Landarbeiterin auf mit einem normalen Gehalt und allen Sozialleistungen. Die Tatsache, das ich zu arbeiten begonnen habe, hat andere Frauen ebenfalls dazu veranlasst; dies zeigt sich daran, dass mich jeden Tag Leute anrufen, die Arbeit suchen. Beim WAC finden Frauen ein Einkommen, Unterstützung, aber auch gesellschaftliche und politische Aktivitäten.
Arabische Frauen sollten anfangen, sich von Vorurteilen und anderen Beschränkungen zu befreien, besonders von der Erwerbslosigkeit. Frauen haben nicht weniger Rechte und Fähigkeiten als Männer. Frauen machen 50 % der Bevölkerung aus, und ich fordere jede Frau, die ihr Leben verändern will, auf, sich beim WAC zu melden.“ 
Mimi Katawi, Teamleiterin aus Zemer: "Ich bin zum allerersten Mal bei einer solchen Veranstaltung. Als ich die Einladung bekam, war mir gar nicht klar, wie wichtig sie war. Nachdem ich an dem Vorbereitungstreffen in Baqa el Gharbiya teilgenommen hatte, wurde mir bewusst, dass ich nicht die einzige Frau bin, die unter Ausbeutung und fehlenden Arbeitsplätzen leidet, sondern dass es den meisten arabischen Frauen in Israel so geht. Wir mussten diese Demonstration machen, um der gegenwärtigen Situation etwas entgegenzusetzen. Darum habe ich so viele Frauen mobilisiert, wie ich konnte, und so laut wie möglich Parolen gerufen. Ich wusste, dass war die Gelegenheit, auf unser Problem aufmerksam zu machen.”
Suad Zidany, Teamführerin aus Tamra: “Der Internationale Frauentag ist von immenser Bedeutung, das ist mir erst klar geworden, als meine Kinder schon groß waren und ich endlich eine Erwerbstätigkeit aufnehmen konnte. Das Problem war, dass ich einfach keinen Job finden konnte, außer über Subunternehmer. Ich habe viel gearbeitet, aber nur wenig Lohn bekommen. Erst durch das WAC fand ich eine richtige Arbeit und kam in den Genuss von Sozialleistungen. An diesem Tag gab mir das WAC meine Würde zurück und lehrte mich, wie wichtig es ist, für meine Arbeit Wertschätzung zu erhalten, aber auch, dass ich die Fähigkeit habe, meine Lage zu verbessern.“
Bushra Abu Moch, Arbeitssuchende aus Baqa el Gharbiya: “Ich hätte mir gewünscht, dass uns andere Organisationen bei diesem Protest gegen Erwerbslosigkeit unterstützt hätten. Frauen brauchen die Arbeit am meisten, besonders angesichts der Finanzkrise. Ich bin froh, weil ich weiß, dass ich meine Forderungen der israelischen Öffentlichkeit zu Gehör gebracht habe, und hoffe, dass die Politiker unsere Stimmen hören werden.“
Eyat Kadach gehört zur Jugendgruppe des WAC in Kufr Manda: „Jetzt wird mir klar, wie wichtig dieser Tag ist, und dass Frauen fähig sind, dasselbe zu erreichen wie Männer. Mir ist bewusst geworden, dass Gleichheit für unsere Leben von grundlegender Bedeutung ist. Es genügt nicht, sie nur heute voranzubringen, wir müssen uns das ganze Jahr über dafür einsetzen, damit wir das erreichen, was uns zusteht.“
www.challenge-mag.com/de/artikel__91/Internationaler Frauentag 2009
21.05.2012, 18:05